Tomás Sedlácek

AbstraktEröffnet wurde das Symposium durch einen Vortrag von Tomáš Sedláček, in dem er die Verbindung von Wirtschaft und Ethik innerhalb der Geistesgeschichte aufzeigte. Er begann seine Ausführungen nicht wie in der bekannten Publikation „Die Ökonomie von Gut und Böse“ (Hanser 2012) mit dem Gilgamesch-Epos, sondern mit den Schöpfungsbericht(en) der Bibel (Gen1; 2), anhand derer sich nach Sedláčeks Lesart zeigen lasse, dass der Mensch auch im Paradies nicht imstande war, mit Perfektion umzugehen. Das erste Gefühl Adams, von dem uns Gen 2 berichtet, so seine Ausführung, sei die Einsamkeit: Adam fühlt sich alleine im Paradies. Gott macht aus Adam also Mann und Frau. An diesem und anderen Narrativen verdeutlichte Sedláček, dass eine systemische Unterdrückung niemals tatsächlich an einem System festgemacht werden könne, sondern der Endlichkeit und der Imperfektion des Menschen selbst entspringe. Psychoanalytisch gesprochen sei das System, durch welches der Mensch unterdrückt wird, selbst wieder durch das Unterbewusstsein hervorgebracht, gleichsam seine Veräußerlichung. Entlang der Linie einer missverstandenen Systemkritik zeigte Sedláčeks, dass das Streben der Marktökonomie nach Wachstum und Vermehrung der Güter eine Engführung sei, indem er den hypothetischen Charakter dieses Strebens kritisierte, der in der Annahme eines Wachstums ad infinitum kulminiert. Stattdessen wäre es an der Zeit, so Sedláček, die Früchte der getanen Arbeit zu genießen und für eine gerechte Verteilung des Wohlstandes zu sorgen. Mit seinem Vortrag öffnete Sedláček verschiedene Problembereiche und gab Impulse, kritisch auf die Theorie der Marktwirtschaft zu reflektieren, um die Ethik in sie zu integrieren.
NameGabriel, Ingeborg Gerda
RolleOrganisatorIn
AktivitätVortragstätigkeit
VeranstaltungWirtschaft - Gemeinwohl - Glück. Wirtschaftsethische Perspektiven interdisziplinär
StadtWien
LandÖsterreich
Art der VeranstaltungKonferenz
Datum2015.4.9
Keywords:603204 Christliche Soziallehre, 502048 Wirtschaftsethik