Forschungsschwerpunkte des Fachbereichs Sozialethik

Die Breite des Fachgebiets der Sozialethik macht eine Spezialisierung auf verschiedene Themenbereiche notwendig. Unsere besondere Aufmerksamkeit gilt folgenden Themen:

Internationale Ethik mit Schwerpunkt auf Menschenrechtsethik, Wirtschaftsethik und Ökologie

"Globalisierung" ist einer der Megatrends unserer Zeit. Die weltweiten Vernetzungs- und Integrationsprozesse stellen gleichzeitig politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Fragen und sind eine Herausforderung für die Vision von der Gerechtigkeit für alle Menschen. Als wichtigstes Thema kristallisiert sich zunehmend die Menschenrechtsethik und ihre philosophischen und theologischen Begründungen in globaler Perspektive gerade auch in Auseinandersetzung mit religiösen Fragestellungen heraus. Dazu treten die politischen, sozialen und ökologischen Fragestellungen der Wirtschaftsethik, die sich im globalen Kontext sowohl für die Individual- wie auch die Sozialethik ergeben (Demokratie und Ethik, Konsumethik, Ethik auf den Finanzmärkten, Ökologie, Nachhaltigkeit).

Sozialethik im ökumenischen Diskurs

Die Kirchen können ihrem Auftrag, in die Gesellschaft hinein zu wirken, nur gerecht werden, wenn sie gemeinsam handeln. Herausgefordert durch das ökumenische Sozialwort der Kirchen in Österreich 2003 stellt sich das Institut seit 2005 der Aufgabe, die unterschiedlichen konfessionellen Traditionen sozialethischen Denkens, ihre Zusammenhänge und theologischen Differenzen ökumenisch und interkulturell zu reflektieren. Während im Bereich der katholisch-protestantischen Ökumene bereits Ansätze bestehen, wurde durch die Einbeziehung der Orthodoxie Neuland betreten. Es bestehen inzwischen intensive Kontakte zu Forschungs- und Lehrinstitutionen aller Konfessionen vor allem in Südosteuropa. Im Mittelpunkt der Forschung steht zunehmend die Menschenrechtsthematik.

Christliche Sozialethik im interreligiösen und interkulturellen Dialog

Globalisierung und zunehmende Multikulturalität nationaler Gesellschaften fordern die christliche Sozialethik heraus, ihre Positionen im interkulturell-interreligiösen Dialog neu zu reflektieren und transkulturell weiterzuentwickeln. Zentral ist dabei die theoretische Auseinandersetzung mit den von der Moderne aufgeworfenen Strukturfragen im Ringen um Gerechtigkeit in Politik und Wirtschaft. Die sozialethischen Argumentationen im Blick auf Menschenrechte, Demokratie, Wirtschaftsgerechtigkeit und Nachhaltigkeit werden nun in den Diskurs mit anderen Kulturen und Religionen (an unserem Institut schwerpunktmäßig mit islamischen und christliche-orthodoxen Positionen) eingebracht. Einer theologisch-fundierten Sozialethik kommt hier eine Schlüsselposition zu, insofern sie wichtige Denkformen für einen Brückenschlag zwischen europäisch-säkularen, sozialwissenschaftlichen und menschenrechtlichen Argumentationsformen einerseits und nicht säkularen, z.B. muslimischen Ansätzen andererseits bereitstellen kann.

Genderethik, Care- und Gerechtigkeitsethik

Der Schwerpunkt verfolgt das Ziel, die Geschlechterperspektive auf Fragestellungen der Sozialethik zu beziehen und so einen Beitrag zu einer gendergerechten Theoriebildung in der Sozialethik zu leisten. Die häufig antagonistisch geführten Care- und Gerechtigkeitsdebatten werden zusammengeführt und der Kern des Fürsorgegedankens für moderne Gesellschaften durchbuchstabiert.

Die Forschungsschwerpunkte des Instituts spiegeln sich auch in den betreuten Dissertationen und Diplomarbeiten wider.