Das Bildungsverständnis im Kontext von KI in der Hochschulorganisation - eine ethische Perspektive

(kurz: BiKiEthics)

 

Projektleitung: Univ.-Prof. Dr. Alexander Filipović,  Noreen van Elk, Ph.D.
Laufzeit: 01. April 2022 bis 31.Dezember 2022
Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung der Bundesrepublik Deutschland

Nicht nur die Corona-Pandemie hat zuletzt gezeigt, dass die Digitalisierung des Bildungswesens eine der wichtigsten und drängendsten bildungspolitischen Aufgaben der kommenden Jahre sein wird, um seine Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit auch in Zukunft weiter sicherstellen zu können. Denn Deutschland belegt im EU-Survey „Index of Readiness for Digital Lifelong Learning“ 2019 unter 27 EU-Nationen den letzten Platz. Die Herausforderung besteht zum einen darin, neue, digitale Formen des Lernens und Lehrens zu entwickeln, die den Anforderungen der heutigen Zeit gerecht werden. Zum anderen stellt sich angesichts der dabei zu erwartenden steigenden Kosten und Ansprüche die Frage nach den Möglichkeiten digitaler Techniken zur Steigerung der Leistungsfähigkeit und der Qualität des Bildungswesens selbst. Insbesondere Anwendungen im Bereich der sogenannten „Künstlichen Intelligenz“ (KI) erweisen sich hier als vielversprechend. Damit diese Veränderungen aber auch nachhaltig und ethisch verantwortet sind, sollen die Prozesse mit einer kritischen Auseinandersetzung mit den vielfältigen ethischen, sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Implikationen einhergehen.

Das Forschungsprojekt möchte, ausgehend von der Frage wie sich der Einsatz KI-basierter Technologien auf unser Bildungsverständnis auswirkt, eine solche kritische Begleitdebatte anstoßen und so die Ziele des Förderschwerpunkts Digitale Hochschulbildung, der obengenannten Förderinitiative und ähnlicher Förderungen sinnvoll ergänzen.

Dieses Forschungsprojekt wählt einen grundsätzlichen Ansatz und unterscheidet sich damit von anderen Forschungsbeiträgen zum Thema „KI in der Hochschulbildung“. Es setzt bei der Überzeugung an, dass die mit dem Einsatz und Ausbau der KI-Technologien im Hochschulwesen einhergehenden ethischen Fragen nicht nur unter dem Gesichtspunkt bestimmter ethischen Prinzipien wie Transparenz, Datenschutz, Gerechtigkeit, Nicht-Diskriminierung und Nachvollziehbarkeit beantwortet werden können. Für eine ethisch umfassende Bewertung des Einsatzes dieser Technologien im Hochschulwesen (und somit für die Konzipierung einer verantwortungsvollen KI-basierten Hochschulsteuerung) ist zudem auch der normative Hintergrund des Bildungsverständnisses einzubeziehen. Ein ethisch verantwortbarer Einsatz von KI-basierten Bildungstechnologien im Hochschul-wesen ist also nicht nur zu bemessen an der Einhaltung von Datenschutz und Gerechtigkeitsfragen (Bias etc.), sondern auch zu bewerten an den Zielen und Idealen, die mit dem Bildungsverständnis an Hochschulen verbunden sind.

Dieses Projekt wird also zeigen, dass zuerst eine grundlegende Reflexion über das Bildungsverständnis sowie über wesentliche Aspekte der KI-unterstützten Hochschulbildung unverzichtbar ist, um den Komplex ethisch relevanter Fragestellungen zu erfassen. Denn erst wenn wir

• identifizieren, was die Entwicklungen im Bereich der KI-basierten Hochschulbildung genau ausmacht und

• wie diese Entwicklungen unsere Vorstellungen darüber verändern, was Bildung bewirken und welche Ziele sie verfolgen soll,

• wie dadurch vielleicht neu festlegt wird, was als valides und legitimes Wissen gilt,

• wie dadurch evtl. die Gestaltung von Bildungsprozessen verändert wird usw.,

wird es möglich sein, das tatsächliche Ausmaß ethischer Implikationen dieser Technologien im Hochschulwesen zu begreifen und diese zu bewerten.